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Volker Kauder
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Volker Kauder (* 3. September 1949 in Hoffenheim, Baden) ist ein deutscher ehemaliger Politiker (CDU). Er war zwischen 1990 und 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages sowie dort von 2005 bis 2018 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und damit der am längsten amtierende in der Geschichte der Fraktion. Zuvor war er von Januar bis Dezember 2005 CDU-Generalsekretär.
Contents
⢠Leben
⢠Partei
⢠Abgeordneter
⢠Religiosität
⢠Privates
⢠Kernkraft
⢠Korruption
⢠Volksentscheide
⢠Waffenexporte
⢠Blasphemie
⢠Sexualstrafrecht
⢠Abtreibung
⢠Auszeichnungen
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Leben
Herkunft, Ausbildung und Beruf
Volker Kauder wurde als Sohn des Rektors Hans Kauder im badischen Hoffenheim (heute Stadtteil von Sinsheim) geboren. Die ungarnstämmigen GroĂeltern waren wohlhabende Fabrikbesitzer und ViehzĂźchter gewesen. Seine Eltern waren evangelische Donauschwaben und wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aus Nova Pazova, einer Siedlung evangelischer Donauschwaben im heutigen Serbien, von Partisanen und nachrĂźckenden Russen vertrieben. Sie zogen zunächst nach Hoffenheim und später nach Singen (Hohentwiel), wo sein Vater eine Anstellung als Lehrer, später als Rektor, an einer Hauptschule fand und als CDU-Mitglied im Stadtrat und im Kreisrat saĂ.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2]
Nach dem Abitur 1969 am Hegau-Gymnasium in Singen (Hohentwiel) leistete Volker Kauder zunächst den Wehrdienst bei der ABC-Abwehrtruppe in Immendingen und Sonthofen ab und schied 1971 als Fähnrich der Reserve aus. Danach studierte Kauder Rechtswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und erwarb 1975 das erste juristische Staatsexamen. Nach dem Referendariat legte er 1977 das zweite Staatsexamen ab und trat 1978 in die Verwaltung des Landes Baden-Wßrttemberg ein. Von 1980 bis 1990 war er unter Landrat Hans Volle Erster Landesbeamter und Sozialdezernent des Landkreises Tuttlingen.
Partei
Kauder wurde 1966 im Alter von 17 Jahren Mitglied der Jungen Union und blieb es bis 1984. Von 1971 bis 1973 war er Vorsitzender des JU-Kreisverbandes Konstanz und von 1973 bis 1976 ehrenamtlicher Geschäftsfßhrer und Bezirksvorstandsmitglied der Jungen Union Sßdbaden.
Von 1975 bis 1991 war Kauder Pressesprecher und Mitglied des Vorstandes der CDU Sßdbaden. Von 1984 bis 1986 war er Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Tuttlingen und ßberdies von 1985 bis 1999 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Tuttlingen. 1991 wurde Kauder Generalsekretär der baden-wßrttembergischen CDU. Mit dem Rßcktritt des Ministerpräsidenten Erwin Teufel im April 2005 gab er dieses Amt ab.
Kauder wird immer wieder als ârechte Handâ Angela Merkels bezeichnet. Sie designierte ihn nach dem RĂźcktritt von Laurenz Meyer am 22. Dezember 2004 fĂźr das Amt des Generalsekretärs der CDU Deutschlands, in das er am 25. Januar 2005 gewählt wurde.
Am 28. August 2005 wurde Kauder mit 97,7 % der gßltigen Stimmen als Generalsekretär bestätigt. Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ßbernahm am 1. Dezember 2005 Ronald Pofalla zunächst kommissarisch und später offiziell das Amt des CDU-Generalsekretärs.
Abgeordneter
Kauder war von 1990 bis 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 2002 bis Januar 2005 Erster Parlamentarischer Geschäftsfßhrer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Am 21. November 2005 wurde er mit 93,3 % der abgegebenen Stimmen zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt. Bei der turnusmäĂigen Wahl ein Jahr nach der Bundestagswahl erzielte Kauder am 26. September 2006 ein Ergebnis von 92,1 %. Seit dem 13. Januar 2015 war Kauder der am längsten amtierende Vorsitzende der Unionsfraktion.cite-ref-4[4] Kauder ist stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Rottweil-Tuttlingen in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2009 erreichte er hier 48,1 % der Erststimmen. Am Tag nach der Wahl wurde er mit Ăźber 96 % der Stimmen als Fraktionsvorsitzender wiedergewählt.cite-ref-5[5] Bei der Bundestagswahl 2013 konnte er wiederum in seinem Wahlkreis mit 57,8 % sein Direktmandat verteidigen. Nach dem fĂźr die Union enttäuschenden Ergebnis bei der Bundestagswahl 2017, bei der Kauder mit 43 % sein Direktmandat verteidigen konnte, wurde er ohne Gegenkandidat mit nur 77,3 % der abgegebenen Stimmen als Fraktionsvorsitzender wiedergewählt. Am 25. September 2018 verlor er Ăźberraschend bei der turnusmäĂigen Neuwahl des Fraktionsvorsitzenden eine Kampfabstimmung gegen Ralph Brinkhaus mit 112 zu 125 Stimmen bei zwei Enthaltungen.cite-ref-faz-15806181-6-0[6] Kauder hatte mehrfach die FlĂźchtlingspolitik der Regierung Merkel verteidigt.cite-ref-7[7]cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]cite-ref-10[10]
Im Bundestag war Kauder eines von 12 Mitgliedern des Wahlausschusses, der bis 2015 die Hälfte der Richter des Bundesverfassungsgerichts bestimmte bzw. seit 2015 dem Plenum vorschlägt.cite-ref-11[11]
Er unterhielt ein Wahlkreisbßro zusammen mit dem Abgeordneten im Europäischen Parlament (MdEP) Andreas Schwab und dem CDU-Abgeordneten im Landtag von Baden-Wßrttemberg (MdL) Stefan Teufel in Rottweil und ein weiteres Wahlkreisbßro zusammen mit dem CDU-Abgeordneten im Landtag von Baden-Wßrttemberg Guido Wolf in den Räumen des Bahnhofs Tuttlingen.
Im September 2019 gab Kauder bekannt, dass er auf eine erneute Kandidatur fĂźr den Bundestag verzichten werde.cite-ref-12[12]
Religiosität
Volker Kauder wurde als Jugendlicher in der Evangelischen Landeskirche in Baden konfirmiert und zeigt Sympathien mit der evangelikalen Bewegung und der liturgischen Ausrichtung der katholischen Kirche. Die Welt zählt ihn zu den Evangelikalen, wobei Kauder diese Bezeichnung, in Worten der Welt, âĂźber sich selbst nicht so gernâcite-ref-welt-2009-08-11-13-0[13] hĂśrt, denn âsein Glaube [sei] mit der Bezeichnung âEvangelikalerâ nicht ausreichend beschriebenâ.cite-ref-welt-2009-08-11-13-1[13] Nach seinen Worten sind âErbauung, Ermahnung und Trostâcite-ref-welt-2009-08-11-13-2[13] Hauptsäulen des Evangelikalen. Des Weiteren sind fĂźr ihn zentral: âdie Bibel als Gottes unmittelbares Wort, der Auftrag zur Mission, die groĂe Bedeutung des Lebens Jesu fĂźr den eigenen Alltag, die SĂźndhaftigkeit des Menschen, die nur durch einen Gnadenakt Gottes und durch den Opfertod Jesu erlĂśst werden kann.âcite-ref-welt-2009-08-11-13-3[13] Kauder erklärte unter anderem, Glaubenskraft habe er auch bei den Evangelikalen gefunden und er fĂźhle sich bei der Evangelischen Allianz wohl.cite-ref-welt-2009-08-11-13-4[13] Es sei âschon beeindruckendâ, dass die Evangelische Allianz es schaffe, Tausende bekennende Gläubige bei Veranstaltungen zusammenzubringen. Es gelte, diese âGlaubenskraftâ sehr ernst zu nehmen, und er sei froh, daran teilhaben zu kĂśnnen.cite-ref-14[14] Georg Brunnhuber sagte Ăźber Kauder: âDer Kauder ist der katholischste Protestant, den ich kenne. Wennâs ums C geht, wird der zur Dampfwalze.âcite-ref-welt-2009-08-11-13-5[13]
2009 erhielt er eine Privataudienz bei Papst Benedikt XVI.; ein Foto dieser Begegnung hing danach hinter Kauders Schreibtisch.cite-ref-welt-2009-08-11-13-6[13]
Wegen seines Einsatzes fĂźr verfolgte Christen erhielt er im September 2010 den Medienpreis Goldener Kompass des evangelikal orientierten Christlichen Medienverbundes KEP.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]
2014 zeichnete Papst Franziskus Kauder fßr sein Engagement fßr verfolgte Christen mit dem päpstlichen Gregoriusorden aus.cite-ref-18[18]
Lehrtätigkeit an der FTH GieĂen
Volker Kauder ist mit Wirkung vom 4. September 2022 zum Honorarprofessor an der Freien Theologischen Hochschule GieĂen ernannt worden. Er lehrt in den Bereichen Politische Ethik und Religionsfreiheit.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]
Sonstiges Engagement
In Tuttlingen, das zu seinem Bundestagswahlkreis gehĂśrt, grĂźndete er einen FĂśrderverein zugunsten von psychisch Kranken. Zudem war er vier Jahre lang Vorsitzender der Bundesvereinigung âAktion Psychisch Krankeâ. Seit 2008 ist er Schirmherr der Spendenaktion âWir machen Schule. Machen Sie mit.â der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn.
Volker Kauder war Stadtpate fĂźr die Stadtinitiative âTuttlinger helfen Afrikaâ im Rahmen des Hilfsprojektes Wir helfen Afrika. Seit September 2021 ist Kauder Vorsitzender des Kuratoriums der Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung.cite-ref-21[21] Kauder ist zudem 1. Vorsitzender der Lobbyorganisation Bodensee Kreis e. V.cite-ref-22[22]
Privates
Volker Kauders Bruder Siegfried Kauder war bis zum 22. September 2013 ebenfalls Mitglied des Deutschen Bundestages.
1976 heiratete Volker Kauder die Ărztin Elisabeth Biechele, Tochter des langjährigen Konstanzer Bundestagsabgeordneten Hermann Biechele.cite-ref-23[23]
Politische Positionen und Kritik
Kernkraft
Innerhalb der CDU galt Volker Kauder als kernkraftbefßrwortender Gegenspieler zu Norbert RÜttgencite-ref-24[24]. Kauder galt im Herbst 2010 als einer der bedeutendsten Befßrworter der Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke neben Michael Fuchs.cite-ref-25[25]
Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima sagte er â im Gegensatz zu anderen fĂźhrenden Unions-KernkraftbefĂźrwortern â, es sei ein âFehlerâ gewesen, im Herbst 2010 ein Rennen um die längsten Laufzeiten zu inszenieren und so aus einem Konzept fĂźr den Umstieg ein Atom-Revival zu machen.cite-ref-26[26]
Korruption
Kauder lehnt den Vorschlag eines Gesetzes gegen die Korruption bei Abgeordneten ab, auch den neuen VorstoĂ (FrĂźhjahr 2013) seines Bruders, des Rechtsausschuss-Vorsitzenden Siegfried Kauder.cite-ref-27[27]
Volksentscheide
Ebenfalls ablehnend steht Kauder der EinfĂźhrung von direkter Demokratie in Form von Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheiden auf Bundesebene gegenĂźber, da die Bundesrepublik seiner Ansicht nach gezeigt habe, dass ihre repräsentative Demokratie erfolgreich sei.cite-ref-28[28] Den Vorschlag des CDU-Wirtschaftsrates, die Frage des Atomausstiegs mittels Volksentscheid zu klären, bezeichnete Kauder als âIrrwegâ und gab zu bedenken, dass der CDU-Wirtschaftsrat ja dann auch Volksabstimmungen beispielsweise Ăźber MindestlĂśhne akzeptieren mĂźsse.cite-ref-29[29]
Waffenexporte
Volker Kauder steht in der Kritik, Waffenexporte des Unternehmens Heckler & Koch zu unterstĂźtzen und bei der Abwicklung von Aufträgen zu helfen.cite-ref-30[30] Die Wochenzeitung Die Zeit nennt Kauder einen âgewichtigen FĂźrsprecherâcite-ref-zeit1-31-0[31] des in seinem Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen (Baden-WĂźrttemberg) ansässigen, profitabel arbeitenden, jedoch als hoch verschuldet geltenden Waffenherstellerscite-ref-taz-32-0[32], gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Bestechung von Amtsträgern ermitteltecite-ref-33[33] und schlieĂlich Anklage erhob. Nach Aussage des Hauptgesellschafters Andreas Heeschen habe Kauder âimmer wieder die Hand Ăźber uns gehaltenâ.cite-ref-34[34] Ein Zusammenhang zwischen Spenden des Unternehmens (70.000 Euro in den Jahren von 2001 bis 2011cite-ref-35[35]) an die CDU und einem Einsatz von Kauder fĂźr Heckler & Koch wird aber seitens des Unternehmens verneint.cite-ref-36[36] Kauder äuĂerte, er kĂźmmere sich um alle Firmen in seinem Wahlkreis, sei aber nicht käuflich.cite-ref-37[37]
Im Laufe des Prozesses gegen u. a. zwei GeschäftsfĂźhrer von Heckler & Koch im Jahr 2018 wegen illegalen Ausfuhren von Waffen nach Mexiko wurde bekannt, dass der CDU-Kreisverband Rottweil vom Konzern 10.000 Euro als Spende erhalten hatte. Laut einem Bericht von Report Mainz wandte sich drei Wochen nach der Ăberweisung der damalige GeschäftsfĂźhrer von Heckler & Koch schriftlich an Volker Kauder und bat, dieser mĂśge sich bei der Erteilung einer lang erwarteten Exportgenehmigung nach Mexiko fĂźr das Unternehmen einsetzen.cite-ref-38[38]
Christliche Werte
Kauder stellt in der Darstellung seiner politischen Standpunkte regelmäĂig auf christliche Werte als Argumentationsgrundlage ab. In einem Interview fĂźr den Arbeitskreis Christlicher Publizisten erklärte Kauder, dass er bei schwierigen Entscheidungen âfĂźr diesen Zugang zum Vater im Himmel dankbarâ sei und der âMensch als Ebenbild Gottesâ nicht zur Disposition gestellt werden dĂźrfe, weil die MenschenwĂźrde weder von der Gesellschaft noch der Politik, sondern von Gott komme.cite-ref-39[39]
In unterschiedlichsten Zusammenhängen verwies Kauder wiederholt auf âunsere christlich-abendländische Traditionâ.cite-ref-40[40] Im Rahmen der Konservativismus-Debatte innerhalb der CDU rief er dazu auf, das christliche Menschenbild weiter in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen, statt darĂźber zu diskutieren, ob die Partei ihre konservative Wurzel ausreichend pflege.cite-ref-41[41]
Kauder ist strikt gegen Forderungen, den Islam in Deutschland als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft anzuerkennen. Er erklärte hierzu im Oktober 2010 in der Bildzeitung, dies gehe âin eine vĂśllig falsche Richtungâ. Er forderte von Muslimen eine hĂśhere Bereitschaft, die Werteordnung des Grundgesetzes als MaĂstab fĂźr das Zusammenleben in Deutschland anzuerkennen, und erklärte in diesem Zusammenhang: âDas auf unserer christlich-jĂźdischen Tradition beruhende Grundgesetz kann durch nichts relativiert werden, schon gar nicht durch einen Islam, der die Scharia vertritt und zur UnterdrĂźckung der Frauen fĂźhrt.âcite-ref-42[42] In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel antwortete Kauder auf die Frage âGehĂśrt der Islam zu Deutschland?â mit der Aussage âNein. Muslime gehĂśren zu Deutschland, der Islam nicht. Was zu uns gehĂśrt, muss prägend sein, identitätsstiftend. Das ist der Islam nicht.âcite-ref-43[43]
Im August 2011 kritisierte Kauder die Kirchen in Deutschland, indem er ihnen mangelnde Missionierung vorwarf: âDie Kirche hat doch einen Missionsauftrag, davon ist aber zu wenig zu sehen.â Er erklärte, aus seiner Sicht kĂśnnten die Kirchen âdie VerkĂźndigung des Wortes Gottes durchaus noch etwas intensivieren. [âŚ] Wir sollten uns nicht darĂźber aufregen, dass so viele Muslime in die Moschee gehen, sondern darĂźber, dass so wenige Christen in die Kirche gehen.âcite-ref-44[44]
Christenverfolgung
Kauder setzt sich fĂźr, vornehmlich in islamischen Ländern, verfolgte Christen ein.cite-ref-45[45] Er erklärte in diesem Zusammenhang unter anderem, Sanktionen wĂźrden nicht weiterhelfen. âEntwicklungshilfe sollte vielmehr gezielt zur FĂśrderung von christlichen Projekten in Ländern eingesetzt werden, in denen Christen unter Druck stehen.âcite-ref-46[46]
Im Jahr 2011 kritisierte Kauder die Einstellung der tĂźrkischen Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip ErdoÄan zu Christen. Er erklärte unter anderem: âWer so mit religiĂśsen Minderheiten umgeht, wie diese Regierung in der TĂźrkei, braucht anderen keine Vorhaltungen zu machenâ. Er kĂśnne nicht akzeptieren, wenn Erdogan nach Deutschland komme und VorwĂźrfe in Fragen der Integration mache. So wie TĂźrken in Deutschland ihre Religionshäuser bauen dĂźrften, âerwarten wir, dass die Christen in der TĂźrkei ihre Kirchen bauen dĂźrfen. Da darf es keine Kompromisse gebenâ.cite-ref-47[47]
Blasphemie
Kauder unterstĂźtzte im Jahr 2000 einen Gesetzentwurf, der vorsah, im § 166 StGB (âBlasphemieparagraphâ) ein Tatbestandsmerkmal zu streichen (â⌠die geeignet ist, den Ăśffentlichen Frieden zu stĂśren.â) und ihn damit zu verschärfen.cite-ref-48[48] 2013 forderte er in Reaktion auf die in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilte Katholikin Asia Bibi, dass die Religionsfreiheit von Nichtmuslimen zu gewähren sei und die dortigen Blasphemiegesetze aus den GesetzbĂźchern des Landes gestrichen werden mĂźssten.cite-ref-49[49]
Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften
In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau im Dezember 2010 sprach Kauder sich gegen ein Adoptionsrecht fĂźr homosexuelle Paare mit der BegrĂźndung aus, er âglaube nicht, dass sich Kinder wĂźnschen, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsenâ.cite-ref-50[50] Die Positionierung Kauders in dieser Frage wurde in einigen Medien mit seiner Nähe zur evangelikalen Evangelischen Allianz in Verbindung gebracht.cite-ref-51[51]
Auch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Mai 2013 zum Ehegattensplitting schloss Kauder eine Gleichstellung von Ehe und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften weiter aus. So habe er bei einer Fraktionssitzung âunter groĂem Beifall darauf hingewiesen, dass es fĂźr uns die Homo-Ehe nicht gibt.âcite-ref-52[52] Als im Jahr 2017 die EinfĂźhrung der Ehe fĂźr gleichgeschlechtliche Partner im Bundestag beschlossen wurde, stimmte Kauder dagegen.cite-ref-53[53]
Sexualstrafrecht
Im September 2013 kritisierte die Vorsitzende der GrĂźnen, Claudia Roth, dass Kauder im Jahr 1997 im Deutschen Bundestag gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe gestimmt hat.cite-ref-54[54]
Abtreibung
Zum Thema Abtreibung sagte Kauder: âDer einzige Fall, wo ich Abtreibung akzeptiere, ist nach einer Vergewaltigungâ.cite-ref-welt-2009-08-11-13-7[13] Kauder sandte mehrfach GruĂworte an Teilnehmer der jährlich stattfindenden Demonstration Marsch fĂźr das Leben.cite-ref-55[55]cite-ref-56[56]
Präimplantationsdiagnostik
Kauder lehnt das Instrumentarium der Präimplantationsdiagnostik grundsätzlich ab. Aus seiner Sicht beginnt das menschliche Leben mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle, âweil dieser Vorgang etwas ganz Neues schafftâ. Danach gebe es keinen entscheidenden Qualitätssprung mehr â danach gebe es ânur noch quantitative Entwicklungenâ. Kauder fordert ein generelles strafbewehrtes Verbot der Präimplantationsdiagnostik, da diese âfast zwangsläufigâ zu Selektionen fĂźhre.cite-ref-57[57]
âBierbotschafterâ
Seine ĂuĂerung auf dem Berliner Oktoberfest 2010 âZwei, drei Weizenbier am Tag, die mĂźssen einfach seinâ erregte Aufsehen und wurde als ânicht hilfreich im Kampf gegen Alkoholmissbrauchâ kritisiert.cite-ref-58[58]
Im August 2011 wurde Kauders Haltung zum Alkohol in der NDR-Dokumentation âMittrinken gilt als normalâ erneut kritisiert. Kauder war zuvor nach 2010 ein weiteres Jahr vom Deutschen Brauer-Bund zum Bierbotschafter ernannt worden und äuĂerte dabei: âIch will in den nächsten zwĂślf Monaten fĂźr dieses deutsche Bier werben. [âŚ] Ich bin der Ăberzeugung, es ist eine Unkultur geworden, dass in so vielen Gläsern unseres Landes am Abend stilles Wasser hängt â ich bin der Meinung, auch im Glas muss was los sein!âcite-ref-59[59]
Lobby-Arbeit fĂźr die Tabakindustrie
Kauder blockierte stets das von der GroĂen Koalition im Jahr 2016 auf den Weg gebrachte Tabakwerbeverbot, zu dem sich Deutschland bereits 2004 gegenĂźber der Weltgesundheitsorganisation in einem Abkommen verpflichtet hatte, es bis 2010 einzufĂźhrencite-ref-60[60]cite-ref-61[61] dadurch, dass er den Gesetzentwurf nicht zur Abstimmung im Deutschen Bundestag vorlegen lieĂ.cite-ref-62[62] Bereits im Mai 2016 hatte er auf einem Parteitag der Jungen Union von einem âAusâ fĂźr das Gesetz gesprochen.cite-ref-63[63] Kauder wurde deshalb von verschiedenen Stellen eine intensive Lobby-Arbeit fĂźr die Tabakindustrie vorgeworfen.cite-ref-64[64] Kauder selbst verteidigte seine mehrheitsfernen Ansichten damit, dass âin einem freien Land auch ein freier Wettbewerb und Ăźber legale Produkte eine Kommunikation zwischen Produzenten und Konsumenten stattfinden soll.âcite-ref-65[65]
Auszeichnungen
⢠Goldener Kompass 2010 (Christlicher Medienverbund KEP).
⢠Päpstlicher Gregoriusorden 2014 fßr sein Engagement fßr verfolgte Christen.cite-ref-66[66]
⢠GroĂkreuz Pro Merito Melitensi 2016 des Malteserritterordens.cite-ref-67[67]
⢠2015: Mehrfarbiger Orden der Aufgehenden Sonne am Band (Japan)cite-ref-68[68]
⢠2022: GroĂes Bundesverdienstkreuz mit Sterncite-ref-69[69]
VerĂśffentlichungen
⢠Vom Wert der Freiheit, SCM R. Brockhaus, Witten 2012, ISBN 978-3-417-26487-6.
als Mitautor
⢠Damit ihr Hoffnung habt: Politik im Zeichen des âCâ, Verlag der Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin 2010, ISBN 978-3-941904-46-0.
⢠Frei:Mut: Kanzelreden zu Reformation und Freiheit, Verlag der Stiftung St. Matthäus, Berlin 2011, ISBN 978-3-9809943-7-8.
⢠Wertewandel mitgestalten: Gut handeln in Gesellschaft und Wirtschaft, hrsg. von Brun-Hagen Hennerkes und George Augustin, Verlag Herder, 4. Aufl. 2012, ISBN 978-3-451-30618-1.
als (Mit)herausgeber
⢠Fraktion in Aktion: Organisation und Arbeitsweise, CDU-CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Bonn 2004.
⢠Chancen fßr alle: Die Perspektive der Aufstiegsgesellschaft, Herder, Freiburg 2008, ISBN 978-3-451-30162-9.
⢠Verfolgte Christen: Einsatz fßr die Religionsfreiheit, SCM Hänssler, 2. Aufl., Holzgerlingen 2013, ISBN 978-3-7751-5418-5.
Aufsätze
⢠Bundestagswahl: Die CDU ist bereit!, in: Axel Balzer, Marvin Geilich, Shamim Rafat (Hrsg.): Politik als Marke â Politikvermittlung zwischen Kommunikation und Inszenierung, Lit-Verlag, MĂźnster 2005, ISBN 3-8258-8146-6, S. 194â201
⢠Politik fĂźr Religionsfreiheit. Ăber die Bedeutung eines Rechtes auf Religionswechsel, in: Communio 43 (2014) 224-232.
⢠Die Rolle der Religionen in der Welt, in: kreuz-und-quer.de, 23. Januar 2017.
Literatur
⢠DorothĂŠa Frangopoulos-Blank: âZum Miteinander verdammtâ: Rhetorik in der GroĂen Koalition: Argumentationsgänge bei Volker Kauder und Peter Struck, BĂźchner-Verlag, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-941310-09-4.
Weblinks
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⢠Literatur von und ßber Volker Kauder im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Werke von und ßber Volker Kauder in der Deutschen Digitalen Bibliothek
⢠Volker Kauder. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
⢠Biografie beim Deutschen Bundestag
⢠Volker Kauder bei der CDU/CSU
⢠Volker Kauder auf abgeordnetenwatch.de
Einzelnachweise
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cite-note-5858. â Christian Wiermer: Kauders Bierbeichte. In: Berliner Kurier. 17. September 2010, abgerufen am 19. August 2015.
cite-note-5959. â NDR-Dokumentation: Mittrinken gilt als normal, gesendet am 15. August 2011
cite-note-6060. â Mit Werbung fĂźr Glimstengel sollâs bald vorbei sein. In: MĂźnchner Merkur. 20. April 2016 (merkur.de [abgerufen am 17. Februar 2017]).
cite-note-6161. â "Kinder sind Goldstaub fĂźr die Tabakindustrie", Claus Hecking, Spiegel Online, 23. April 2018
cite-note-6262. â SaarbrĂźcker Zeitung: SPD greift Union wegen Blockade beim Tabakwerbeverbot an. Abgerufen am 17. Februar 2017.
cite-note-6363. â Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Redakteur DAZ.online: Union rĂźttelt am geplanten Tabakwerbeverbot. In: DAZ.online. 12. Juli 2016 (Online [abgerufen am 17. Februar 2017]).
cite-note-6464. â Daniel Baumann: Der Blockierer ist weg. Tabakgegner setzen Hoffnung auf neue CDU-Franktionsspitze. In: Frankfurter Rundschau vom 9. Oktober 2018, S. 15
cite-note-6565. â Streit um Tabakwerbeverbot â SchĂśner qualmen auf deutschen LitfaĂsäulen, Claus Hecking, Spiegel Online, 7. März 2017
cite-note-6666. â Hohe katholische Auszeichnung fĂźr Protestanten Kauder, kath.net, Meldung vom 30. Mai 2014.
cite-note-6767. â Volker Kauder erhält Orden der Malteserritter, vatikan.diplo.de, Meldung vom 5. Februar 2016.
cite-note-6868. â 2015 Autumn Conferment of Decorations on Foreign Nationals, Internetseite des japanischen AuĂenministeriums (englisch)
cite-note-6969. â sueddeutsche.de